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Internationales Keramik – und Musiksymposium in der Wasserburg Kapellendorf/ Thüringen vom 18.Juni  bis 8.Juli 2006 Fotos mp3, Video Impressionen Kontakt, Sponsoring, Links

Erde definiert den geografischen Ort, wo ein Mensch geboren ist, bedeutet Kulturgeschichte, Mentalität und äußere Heimat. Um sie wurden seit Jahrtausenden Kriege geführt. Erde teilen alle Menschen miteinander, wie auch die gemeinsame Verantwortung für ein Zusammenleben.
Die eingeladenen Keramiker arbeiteten mit Ton als Sinnbild für Erde und formulierten darüber ihr individuelles Heimatverständnis.

Philippe Godderidge - Frankreich | Petra Töppe-Zenker - Deutschland | Ruth Shomroni - Israel |
Margret Weise - Deutschland | Merwat Essa - Palästina | Danijela Piculjan - Kroatien |
Radenko Adnadj - Serbien

Philippe Godderidge - Frankreich - www.philippegodderidge.com

1955 in Saint-Maur/ Frankreich geboren, lebt und arbeitet im ländlichen Torteval (Frankreich) als freier Keramiker (Objekte, keramische Installationen, Körperabdrücke), Einzelausstellungen (z.B.: „petites suites“ l’usage du monde in StValery, "Installations et Artefacts" im Tanit théâtre in Lisieux, „D'Improbables Jomonades“ Galerie "Pierre" in Paris, Einladungen nach Japan und China (2005), Publikationen (z.B.: Katalog „petites suites“ l’usage du monde 2006) und vertreten in öffentlichen Museen (z.B.: in Chateauroux, Bayeux, Fuping (China), Dunkerque, Fondation Schlumberger).

„Ganz weit zurück auf die Ursprünge unserer menschlichen Existenz scheinen die Arbeiten von Philippe Godderidge zu verweisen. Er hat Stroh und Ton zu Platten gestampft, wie es die alten Ackerbau-Kulturen mit ihrer Trockenlehmziegel-Bauweise taten, er hat zwei dieser Platten plan geschliffen und in der Mitte mit Hilfe eines improvisierten Keramikofens gebrannt. Nun stehen wir vor diesen gebrannten Flecken wie Archäologen vor den Kreisen urzeitlicher Feuer, welche sich in bestimmten Schichten dunkel in den ergrabenen Planquadraten abzeichnen. Der Kreis des Feuers, erste Heimat des Menschen in einer noch unübersehbar weiten Wildnis der Natur. Seine Bodeninstallation mit Fußspuren in gestampftem und schließlich auch gebranntem Ton, die auch Tonziegel enthält, schlägt wiederum eine metaphorische Brücke in die Frühzeit des Menschen. Man muss unweigerlich an die berühmten, 1978 von der englischen Paläoanthropologin Mary Leakey im tansanischen Olduvai-Gebiet, in der Nähe von Laetoli, gefundenen Fußspuren zweier aufrecht nebeneinander laufender Vormenschen denken, die sich in der Asche eines Vulkans abgedrückt und erhalten haben.“ *

Petra Töppe-Zenker - Deutschland - www.petra-toeppe-zenker.de

1967 in Merseburg geboren, 2 Jahre Pädagogikstudium (Kunst/Deutsch) in Erfurt, Töpferausbildung mit Gesellenabschluss, Praktikum für Keramikrestaurierung in Weimar, Studienreisen u.a. nach Petra/ Jordanien, lebt und arbeitet als Keramikerin in Kapellendorf, Mitglied u.a. im VBK Thüringen, Symposien, zahlreiche Einzelausstellungen in Deutschland (z.B.: Erfurt/ „Haus zum Güldenen Krönbacken“, Frankfurt a. M./ Galerie im Blauen Haus ), Preise (z.B.: Bürgeler Keramikpreis 2004), Arbeiten in öffentlichen Einrichtungen (z.B.: Naumburger Dom, Handwerkskammer Erfurt, Imaginata Jena).

„Auch von Petra Töppe-Zenker kennen wir den Blick aus der Gegenwart zurück zu unseren Ursprüngen. Denn viele ihrer Gefäße, die nicht auf der Drehscheibe entstehen, sondern ganz archaisch von innen heraus durch Andrücken und Anpressen von Material ihr Volumen und ihre Masse gewinnen, erinnern an neolithische, z.B. bandkeramische Kulturen, wie sie für Mitteleuropa typisch waren. Von einer Reise nach der archäologischen Stätte Petra in Jordanien brachte sie die Erinnerung an kleine Rundhäuser mit, in die sich der menschliche Körper noch hineinschmiegen kann wie in einen Uterus. Ähnlich schichtete sie Tonblöcke in Trockenbauweise um die Rückenkrümmung einiger Kollegen, die sich dafür in Embryonalstellung auf dem Boden niederlegten. Eine große, rötliche Keramik, die wie ein umgestülptes Gefäß auf dem Boden liegt, erinnert an den Omphalos der alten Griechen in Delphi, diesen „Nabel der Welt“, den auch andere Kulturen, z.B. des Buddhismus, kennen: Mittelpunkt, Ursprung, Heimat, erste Nahrung – hier im „Nabel der Welt“ bilden sie noch eine ungetrennte, naive Einheit der Vorstellung. Ganz bewusst betreibt Petra Töppe-Zenker ihre freie keramische Arbeit als eine Möglichkeit, sich zu erinnern, längst Vergangenes, die Wurzeln unserer Herkunft zu vergegenwärtigen. Heimat kann man also sehr tief verorten.“ *

Ruth Shomroni - Israel

1937 in Tel Aviv/ Israel geboren, die Eltern sind vier Jahre zuvor aus Deutschland ausgewandert. Seit 1962 Arbeit mit Ton, Autodidaktin, Ausbildung u.a. an der Avni and Bat–Yam Academy, Mitglied in der Ceramic Artists Association of Israel und im World Crafts Council Europe, lebt und arbeitet in Ramat–Hasharon/ Israel, Ausstellungen in Israel (z.B.: Schagal Museum/ Haifa, Periscope Gallery for Design/Tel Aviv) und Deutschland (z.B.: Droysen Gallery/ Berlin, Museum Papiermanufaktur Homburg) und Preise (2. Platz künstlerischer Wettbewerb des Rothschild Fonds 2001).

„Noch weiter zurück gehen viele Formen, wie wir sie in der Arbeit von Ruth Shomroni aus Israel finden. Sie lässt sich von den versteinerten Überresten des Lebens in den Urmeeren, die sich heute in den Wüsten des Nahen Ostens finden lassen, gestalterisch anregen. Leben bedeutet Schöpfung, Kreativität – wir vermuten diese am wenigsten in den kargen Regionen der Wüste. Dass wir sie dort trotzdem finden, zeigt, dass nichts bleibt, wie es ist. In der Veränderung liegt die Chance des Lebens.“ *

„Die würfelförmigen Drahtkörbe zeigen die Farben Israels: das Grün – eingeschmolzenes grünes Flaschenglas – des Jordantales und das Rot bis Schwarz der Wüste. Aus einigen Körben ragen scharfe Spitzen wie Pfeile hervor – ein Zeichen für das eingeschlossene Israel, ein Zeichen aber auch für Hoffnung, dass von hieraus ein Impuls ausgehen werde.“ **

Margret Weise - Deutschland

1941 in Naumburg geboren, wo sie auch heute lebt und arbeitet, 1961-65 Töpferausbildung mit Meisterabschluß, seit 1972 Mitglied im Verband Bildender Künstler, zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, Preise (z.B.: 1. Preis XXX. Internationaler Wettbewerb „Pro Tadino/ Italien) und Arbeitsstipendien (z.B.: Künstlerhaus Edenkoben), Ankäufe durch zahlreiche Museen und Sammlungen (z.B.: Keramik-Museum Berlin, Staatliche Galerie Moritzburg/ Halle, Grassimuseum Leipzig, Keramion-Museum Frechen).

„Bei Margret Weise aus Naumburg findet man ebenfalls Zitate in die Vergangenheit hinein, doch immer wieder ironisch gebrochen. So wirken ihre grafisch modellierten Köpfe, die sich stilistisch an die vielen Krieger des chinesischen Kaisergrabes von Xi’an anlehnen, auf der Karte des thüringisch-sachsen-anhaltinischen Grenzgebietes wie eine überraschende Invasion: Hilfe, die Chinesen kommen! Mit einem Augenzwinkern holt sie sich das Fremde schon seit vielen Jahren ins eigene Atelier – und eignet es sich doch mit ebensoviel Gelassenheit an, inkorporiert es spielerisch in die eigenen Gestaltungsabsichten.“ *

Merwat Essa - Palästina - www.mervat-essa.com

1970 in dem christlich-palästinensischen Dorf Gush Halav/ Israel geboren, wo sie seit 1997 wieder lebt und arbeitet, 1991-94 Keramikstudium an der Kunstschule Tel-Hai und ab 2001 Kunststudien am Oranim College in Kiryat Tevon. Seit 1996 Kunstdozentin am Sackhnin College und seit 2001 Kunsterzieherin in Peqiin, Zahlreiche Einzel- (z.B.: Al-Markez Gallery Nazareth) und Gruppenausstellungen (z.B.: Artcar Museum/ Station, Huston/ USA) und 2003-2004 Preis der Amerikanisch-Israelischen Kulturstiftung.

„Die heiter-ironische Geste von Margret Weise trifft unverhofft auf ihr Gegenteil, wenn wir die Arbeiten von Mervat Essa aus Palästina sehen. Sie arbeitet schon seit längerer Zeit mit Abdrucken von Kopftüchern in Ton. Es sind die Tücher, welche von islamischen Frauen an Fest- wie auch an Trauertagen um den Kopf und vor dem Gesicht getragen werden. Hat sie diese mitunter reich verzierten Abdrucke von Tüchern früher oft um die Reliefs von Gesichtern modelliert, so zeigt sie uns diese heute einfach als Tücher. Sauber und in Stapeln geordnet scheinen sie auf einen Anlass zum Tragen zu warten, zerknüllt zeugen sie von kollektiver Trauer. Mervat Essa verarbeitet darin ihre eigene Familiengeschichte, die eine Geschichte der Vertreibung aus der Heimat ist.“ *

Danijela Piculjan - Kroatien - www.kerameikon.com

1967 in Zagreb geboren, ab 1997 Studium bei Blaženka Šoic Štebih und 2000 bis 2005 Workshops bei Gustav Weiss (D). Mitglied im «Verband für angewandte Kunst Kroatien» und in der «Vereinigung für unabhängige Künstler», Fizepräsidentin der Kroatischen Keramikvereinigung «Keramikon» und Organisation des Iinternationalen Festivals postmoderner Keramik in Varaždin/Croatia 2002 und 2005. Teilnahme an zahlreichen jurierten Ausstellungen in Kroatien, Griechenland (1st European Ceramic Competition Amorusion) und China, verschiedene Preise.

„Die nur wenige Jahre zurückliegenden Vertreibungen und Kriege in ihrer Heimat haben ... die Kroatin Danijela Piculjan spontan zu einer Collage aus Illustriertenfotos und Tonkörpern greifen lassen. Gewachsen ist bei ihr ein Werk, dass zerbrechliche wie schöne Formen aus der Natur, von Muscheln und Schnecken, auf ihre keramische Neuformulierung hin befragt. Dabei entstehen komplexe räumliche Gebilde, die Einblicke in Inneres, üblicherweise Verborgenes gewähren und höchst fragil erschienen. Diese Grundstimmung der Verletzlichkeit hat sie nun, angeregt durch das Thema des Symposiums, in ein direkteres Bild vom Leiden und Hoffen der Menschen übertragen.“ *

„Zu Füßen der drei Tonkörper breiten sich die weißen Berge Kroatiens aus. Oder sind es die Wellen an den Küsten Dalmatiens? Danijela Piculjan hat dieses Szenario in einer der heißen Nächte in Kapellendorf im Traum gesehen. War es Heimweh?“ **

Radenko Adnadj - Serbien

1960 geboren in Tenja, Kroatien, versteht sich als Keramik-Maler, lebt und arbeitet in Belgrad/ Serbien, Mitglied im ULUS (Verband Plastischer Kunst Serbiens) and ULUPUDS (Serbischer Verband für angewandte Kunst und Design), seit 1988 Einzel- und Gruppenausstellungen (z.B.: Second International Trienal of Ceramics “CUP 2000” Belgrad), Preise (z.B.: 1. Keramikpreis zur „4. Bienale für angewandte Kunst Smederevo“) und Ankäufe durch das Museum für angewandte Kunst Belgrad und der Galerie für modernen Kunst Subotica.

Radenko Adnadj aus Serbien schließlich behandelt die keramische Oberfläche wie eine alternative Leinwand: er malt auf ihr. Sein gestisches Ausdrucksbedürfnis will er im Gebrauch der Glasuren gestillt sehen. Wie eine grafisch strukturierte Grundierung bereitet die Raku-Technik diese Malflächen vor. Doch bieten die Objekte nicht einfach nur spannende grafische und malerische Oberflächen. Sie tragen auch einen Bruch in sich, sind wie Gefäße angelegt, doch im Fragment, im Unfertigen befangen. Diese Spannung zwischen dem malerischen Reiz der Oberflächen und dem Bruchstückhaften der plastischen Gestalt verleiht ihnen einen elegischen Unterton.“ *

„Seine Farben sind die der Erde, hergestellt mit Ascheglasuren, die er aus dem heimatlichen Holzofen gewonnen hat ... Neben den Schalen ... liegt eine Gruppe aus vier zerklüfteten Platten und einer aufgerissenen Kugel. Die Wunden des Krieges sind auch heute, zehn Jahre danach, noch nicht verheilt.“ **



* Prof. Dr. Kai Uwe Schierz, Direktor der Kunsthalle Erfurt
**Antje Soléau, Fachjournalistin für Kunsthandwerk

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